Nach Start einer ADHS-Behandlung: Weniger Antidepressiva bei Erwachsenen – Ergebnisse einer großen Registerstudie

Einordnung in 30 Sekunden

Eine landesweite finnische Registerstudie mit über 66.000 ADHS-Betroffenen zeigt: Erwachsene nutzten nach Beginn einer ADHS-Medikation seltener Antidepressiva – während vergleichbare Personen ohne ADHS-Diagnose im gleichen Zeitraum eher mehr Antidepressiva nutzten. Bei Kindern nahmen Antibiotika und entzündungshemmende Mittel nach Behandlungsbeginn stärker ab als bei Kontrollen. Adhärenz war sehr hoch; Jugendliche setzten am häufigsten ab. (Beobachtungsdaten, keine Kausalitätsbeweise.)

Studiendesign in Kürze

Finnische Versorgungs- und Rezeptdaten (2010–2021), Erstidentifikation ADHS 2015–2020, 1:4-gematchte Kontrollen (Alter, Geschlecht, Region). Betrachtet wurden ADHS-Mittel, andere Arzneimittel, Therapietreue (Rezept → Kauf) und Persistenz (Durchhaltezeit). N=66.146 ADHS; N=256.270 Kontrollen.

Kernergebnisse

  • Erwachsene: Antidepressiva-Käufe waren vor Diagnose häufig und sanken nach Start der ADHS-Behandlung; in der Kontrollgruppe nahmen sie zu.
  • Kinder: Vor Diagnose häufigere Käufe u. a. von Antibiotika; nach Behandlungsbeginn stärkere Abnahme als bei Kontrollen.
  • Medikation & Nutzung: Meist Start mit (verlängert freisetzendem) Methylphenidat; Lisdexamfetamin mit längster Persistenz. 95 % lösten Rezepte ein; 80 % innerhalb von 10 Tagen. Ferienmonate zeigen weniger Käufe.

Was bedeutet das?

Die Daten sprechen dafür, dass eine gezielte ADHS-Behandlung bei Erwachsenen mit weniger Bedarf an Antidepressiva einhergeht – möglicherweise, weil behandelte ADHS-Kernsymptome depressive/anxieuse Beschwerden reduzieren. Bei Kindern könnte bessere Alltagsstabilität Beschwerden verringern, die zuvor häufiger zu Antibiotika/Antiinflammatorika führten. Wichtig: Das sind populationsbezogene Zusammenhänge; Therapieentscheidungen bleiben individuell-ärztlich.

Grenzen & Transparenz

Beobachtungsdaten (Käufe ≠ Einnahme; keine Kausalitätsbeweise), finnischer Kontext, industriegeförderte Studie (Takeda). Ergebnisse bleiben dennoch wertvoll, weil sie große Real-World-Kohorten abbilden und klare, reproduzierbare Muster zeigen.

Hinweis

Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Änderungen an Medikamenten niemals eigenständig vornehmen – immer mit der behandelnden Praxis besprechen.


FAQ (kurz)

Sollte ich Antidepressiva absetzen, wenn meine ADHS-Medikation wirkt?
Nein. Die Studie zeigt einen Bevölkerungs-Trend, keine Handlungsanweisung für Einzelpersonen. Änderungen nur in enger Abstimmung mit Ärztin/Arzt.

Ist das nur in Finnland so?
Die Daten stammen aus Finnland; das Muster ist plausibel, aber Systeme unterscheiden sich. Der Befund ist ein wichtiger Hinweis, keine Garantie.

Welche ADHS-Mittel werden zuerst eingesetzt?
Am häufigsten Methylphenidat (retard); bei Jugendlichen/Erwachsenen v. a. extended-release, bei Kindern oft sustained-release.

Wie „verlässlich“ sind die Zahlen zur Einnahme?
Gemessen wurden Käufe. Das ist nah an der Realität, beweist aber nicht die tatsächliche Einnahme.


Quellenhinweis

„Use of Antidepressants Decreased After Initiation of ADHD Treatment in Adults — A Finnish Nationwide Register Study…“, Acta Psychiatrica Scandinavica (2025), Open Access. DOI im Original.

Hier geht es direkt zur Studie.

Und hier könnt ihr die PDF-Datei herunterladen.