Zum Beispiel mit Politessen

Wie erklärt man sich, dass man es einfach nicht aus den negativen Gedankenschleifen rausschafft? Wie werden wir die ewig gleichen oder sehr ähnlichen Muster los, die uns immer wieder auf unsere Defizite und Misserfolge, unsere Fehler und Macken, unsere sozialen Inkompetenzen stoßen?

Zum Beispiel mit Politessen 😉

„Wie soll das denn gehen?“ ist wahrscheinlich jetzt die erste Frage, die sofort da war.

Indem wir uns mal ihren Alltag anschauen.

Politessen haben Aufgaben. Eine ist, beim Laufen durch die Straßen falsch parkende Autos zu entdecken und diesen dann Strafzettel anzupappen. Das machen Politesse sehr häufig, und sehr gewissenhaft, wie der/die eine oder andere Autofahrer:in mit Sicherheit weiß, weil er oder sie schon mal für Falsch-Parken gezahlt hat.

Im Rahmen ihrer Aufgaben trainieren Politessen ihr „Falsch-Parker-Adlerauge“. Wenn sie zu Beginn vielleicht noch oft dran vorbei schauen, perfektioniert sich im Laufe der Zeit die Fähigkeit, gar nicht lange schauen zu müssen, sondern die Falschparker beim flüchtigen Blick die Straße entlang auszumachen, um sich so die Sucherei zu ersparen. Sie werden darin Vollprofis.

Wenn nun eine Politesse in ihren wohlverdienten Urlaub geht, kann sie diesen an den schönsten Orten der Welt verbringen, in den tollsten Hotels, mit dem besten Service. Sobald sie ihre Unterkunft verlässt und die Straßen ihres Urlaubsortes entlang läuft, fällt mit Sicherheit ein Teil ihrer möglichen schönen Eindrücke der Tatsache zum Opfer, dass sie auch an diesen Orten ohne viel eigenes Dazutun eines immer im Blick hat: die falsch parkenden Autos. Sie ist darauf so trainiert, dass ihr diese Fahrzeuge instant auffallen und sie sie registriert. Und da das normalerweise ja ihr „täglich Brot“ ist, passiert das nicht selten noch vor der Wahrnehmung schönerer Gegebenheiten.

So, und nun zu uns ADSler:innen. Wir haben solche Politessen im Kopf. Mitarbeiter:innen, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als unsere Scheitereien, unsere Schwächen, unsere Unfähigkeiten zu registrieren und zu speichern. Die Politesse bekommt haargenau mit, wenn wir unsicher reagieren, was falsches oder dummes sagen, eine komische Bewegung machen, tollpatschig sind oder anderweitig wieder unsere negativen Seiten zeigen.

Wir haben unsere Politesse genau darauf perfekt geschult. Sie kann uns quasi im Schlaf vorbeten, wann und wo wir wieder selbst unsere Defizite nach außen offensichtlich gemacht haben. Und da sie NUR DAS kann, nimmt sie natürlich überhaupt nichts Positives wahr, was wir zwar ohne Wenn und Aber auch erleben, aber dadurch gar nicht merken. Und je länger unsere Politesse mit uns unterwegs ist, umso besser und kleinteiliger wird sie beim Ausführen ihrer Aufgabe, und umso mehr haben wir das Gefühl, überhaupt nichts mehr zu schaffen, keine positiven Erlebnisse mehr zu haben, und einfach alles zu verkacken.

Um nun diese Fähigkeiten gewinnbringend nutzen zu können, braucht es Zeit. Man muss der eigenen Politesse eine andere Aufgabe geben, und das muss man langsam machen. Wenn man erwartet, dass sie von jetzt auf sofort einfach mal was anderes macht, nein, sie pocht erst mal auf ihren mit uns geschlossenen Arbeitsvertrag. Deshalb ist es wichtig, sie in ganz kleinen Schritten in ihre neue Aufgabe einzuführen, indem man die Erwartung an sie wirklich klein hält.

Es ist durchaus eine sehr gute Übung, sich erstmal für einige Woche vorzunehmen, dass die Politesse Abends nur ein bis zwei positive Ereignisse in Erinnerung rufen können soll. Und ja, auch wichtig ist die Definition von „positiven Ereignissen“. Es ist nicht der eine, große Sechser im Lotto, der das Glück bringt. Zum einen stehen die Chancen dazu gar nicht mal so gut, und zum anderen gibt es mehr als genug Lotto-Millionäre, die alles sind, aber nicht unbedingt glücklich. Aber der Geruch beim Öffnen eines neuen Pakets Kaffee, eine freundliche Geste beim Bäcker oder auch eine Begegnung mit einem Schmetterling können zu den vielen kleinen Glücksmomenten gehören, die in Summe einen ziemlich schönen Tag ausmachen, wenn wir sie wahrnehmen (können).

Und nach und nach steigert man dann die Herausforderung für die Politesse. 3 schöne Erlebnisse, 5, 8, 12 usw. Und irgendwann ist es so, dass man das gar nicht mehr zahlenmäßig vorgeben muss, und dann fließen die positiven Erlebnisse und überholen die negativen. Dann ist man dort angekommen, wo das Ziel liegt: jeden Tag feststellen, dass das Leben immer mehr glückliche Momente bietet als unglückliche. Man muss das nur merken.

Die Lebensgeschichten von Lisa und Paul

Wir Menschen mit ADHS/ADS wissen oft nicht oder vergessen immer wieder, dass ADHS/ADS eben unter momentanen „Lebensbedingungen“ in der Gesellschaft „wie eine lebensverkürzende Krankheit“ wirkt, die unbehandelt laut Studien durchaus zwischen 11 und 13 Jahren Lebenszeit nimmt. Niemand käme auf die Idee, jemanden z.B. mit Diabetes für dessen Defizite „die Schuld zu geben“. Genau das passiert aber mit AD(H)Sler:innen.

Deshalb hier mal eine kleine Metapher, die verdeutlicht, wie unsinnig es ist, wenn wir uns selbst die Schuld daran geben, nicht alles zu können, was von uns erwartet wird oder wir selbst von uns erwarten:

Es war einmal ein Mann namens Paul, der seit seiner Kindheit mit ADHS zu kämpfen hatte. Die Welt um ihn herum schien immer wieder zu sagen, dass er sich nur mehr anstrengen müsse. „ADHS? Das ist doch bloß eine Ausrede,“ hörte er oft.

Paul fühlte sich schuldig für seine Schwierigkeiten, seine Unordnung, seine Unpünktlichkeit und sein ständiges „Anderssein“. Er hielt sich selbst für faul, unorganisiert und manchmal sogar dumm, obwohl er sich bemühte, mitzuhalten.

Neben Paul lebte Lisa, die Diabetes Typ 1 hatte. Lisa musste jeden Tag Insulin spritzen und auf ihre Ernährung achten, um gesund zu bleiben. Doch niemals wurde sie dafür verurteilt. Niemand sagte zu ihr: „Du musst einfach nur härter arbeiten, dann brauchst du das Insulin nicht.“ Stattdessen bekam sie Unterstützung, Verständnis und das Wissen, dass ihre Erkrankung nicht ihre Schuld war. Es war einfach ein Teil von ihr, mit dem sie lernen musste zu leben.

Stell dir nun vor, Lisa würde genauso behandelt werden wie Paul. Man würde ihr sagen: „Du brauchst kein Insulin, reiß dich doch einfach zusammen!“ Oder: „Du willst doch nur Aufmerksamkeit, wenn du auf deinen Blutzucker achtest und wir extra für dich kochen müssen, weil du angeblich nicht alles verträgst.“ Lisa würde beginnen, sich für ihre Diabetes zu schämen. Sie würde das Insulin weglassen, aus Angst, als schwach abgestempelt zu werden. Und was würde passieren? Lisas Gesundheit würde sich drastisch verschlechtern. Ihre Organe würden Schaden nehmen, und ihr Leben würde sich um Jahre verkürzen.

Genauso verhält es sich bei Paul. Sein ADHS ist keine „Ausrede“, sondern ein Teil seiner Realität. Weil er jedoch in einer Welt lebt, die ihm ständig sagt, er sei faul oder unorganisiert, fällt es ihm schwer, Hilfe und Unterstützung anzunehmen. Er kämpft gegen sich selbst, statt sich das „Insulin“ für seine Seele – in Form von Akzeptanz, Struktur, Therapie oder auch Medikamente – zu gönnen. Und genau wie bei Lisa kann das für Paul gefährlich werden. Die ständige Selbstverurteilung, das innere Kämpfen und der Stress können sein Leben verkürzen, um 11 bis 13 Jahre.

Paul und Lisa haben beide eine Erkrankung, die ihre Gesundheit und ihr Leben beeinflusst. Aber während Lisa Unterstützung erfährt, wird Paul dafür kritisiert, etwas zu haben, das er sich nicht ausgesucht hat. Es ist Zeit, auch Paul das Verständnis und die Akzeptanz zu geben, die er verdient – wenn andere das nicht tun, fängt er selbst am besten sofort damit an, damit er lernen kann, sein „Insulin“ ohne Schuldgefühle zu nutzen.

PS: die Namen sind natürlich fiktiv. Genauso wie die Symptome. Es passt aber auch, wenn man „unaufmerksam“ oder „verpeilt“ nimmt.

Test

06.10.1954: Ritalin wird auf dem deutschen Markt eingeführt

Danke Thomas, für diesen interessanten Link. ADHS ist eine der häufigsten Entwicklungsstörungen weltweit. Oft wird Ritalin verschrieben. Seit seiner Zulassung stellt sich die Frage: Ist das Medikament Fluch oder Segen? In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstehen immer mehr Wirkstoffe, die auf die Nervenzellen des Gehirns Einfluss nehmen. Dem jungen Chemiker Leandro Panizzon gelingt 1944…Weiterlesen…

ADHS & Autismus Bundesverband e.V.

Informationsvermittlung, Erfahrungsaustausch & Studien in den Bereichen ADHS & Autismus-Spektrum Störung. ADHS&Autismus-Webseite Adressenverzeichnis

ADHS und die verkürzte Lebenserwartung: ein Thema, das es in sich hat!

Vorab: mit diesem Beitrag soll keine Angst geschürt werden. Es gibt Möglichkeiten, etwas gegen die verkürzte Lebenserwartung von ADHS ler:innen zu tun. Aber es ist wichtig zu wissen, dass AD(H)S eben mehr ist als „Faulheit, Charakterschwäche oder soziale Unfähigkeit“. Es ist eine unter Umständen lebensverkürzende Hirnstoffwechsel-Veränderung, für die wir uns weder schämen müssen, noch uns…Weiterlesen…

ADS und ADHS: Was steckt dahinter?

ADHS und ADS sind neurologische Entwicklungsstörungen, die das Leben vieler Menschen beeinflussen – ob mit Hyperaktivität oder ohne. Betroffene zeigen Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und bei ADHS auch Hyperaktivität. Die Ursachen sind vielfältig, die Diagnose oft komplex, doch es gibt bewährte Therapieansätze. Mit der richtigen Unterstützung und einem Blick auf die oft unterschätzten Stärken kann…Weiterlesen…

ADS/ADHS bei Männern und Frauen: Wo liegen die Unterschiede?

ADHS und ADS sind längst keine „Jungskrankheit“ mehr, aber die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bleiben oft im Verborgenen. Während Männer mit ADHS oft durch impulsives und hyperaktives Verhalten auffallen, zeigen Frauen ihre Symptome eher auf subtile Weise – oft mit weniger offensichtlicher Hyperaktivität und stattdessen mehr innerer Unruhe. Dadurch wird ADHS bei Frauen häufig…Weiterlesen…

Impulsivität

Impulsivität bedeutet, spontan und ohne viel Nachdenken zu handeln, oft bevor die Konsequenzen einer Handlung bedacht werden. Bei Menschen mit ADHS äußert sich dies in verschiedenen Bereichen, etwa durch unüberlegte Entscheidungen, plötzliche Gefühlsausbrüche oder Schwierigkeiten, sich selbst zu bremsen. Sie neigen dazu, schneller zu sprechen, zu handeln oder zu reagieren, ohne vorher innezuhalten. Das kann…Weiterlesen…

Behandlungsansätze und -methoden bei AD(H)S

Vorweg: Bei ADHS und ADS gibt es nicht „den einen Königsweg“, der alle Probleme aus dem Weg räumt. Jeder Mensch ist anders, und was heute funktioniert, kann morgen schon wieder ganz anders aussehen. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Strategien immer wieder zu hinterfragen, anzupassen und auch mal den Mut zu haben, sie komplett über…Weiterlesen…

Ängste bei ADHS

Viele Menschen mit ADHS erleben Ängste als ständige Begleiter im Alltag. Diese können sich in Form von intensiver Nervosität, Sorgen oder dem Gefühl, von den eigenen Gedanken überwältigt zu werden, zeigen. Oft stehen sie in direktem Zusammenhang mit den Herausforderungen, die ADHS mit sich bringt, wie z. B. das ständige Vergessen von Terminen, Schwierigkeiten bei…Weiterlesen…

Depressionen

Klassische Depressionen Depressionen sind psychische Erkrankungen, die sich durch anhaltende Gefühle von Traurigkeit, Leere, Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit äußern. Betroffene verlieren oft das Interesse an Aktivitäten, die ihnen früher Freude bereitet haben, und fühlen sich erschöpft oder kraftlos. Neben den emotionalen Symptomen können auch körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Schmerzen auftreten. Depressionen sind mehr als…Weiterlesen…

Medien zu ADHS/ADS

Deutsche Videos und Kanäle

Videos

Hirschhausen und ADHS: So kann die Diagnose Leben verändern | Doku | WDR

Der lange Weg zur Diagnose – ADHS bei Erwachsenen | SWR Doku

Alle verrückt? ADHS | Eckart von Hirschhausen


Kanäle
ADHS & AUTISMUS SPEKTRUM

Das andere ADHS | Impulsreferat von Dr.Astrid Neuy

Warum ADHS bei Erwachsenen oft unerkannt bleibt

Neurobiologie des ADHS – so funktioniert Methylphenidat


ADHS Success

ADHS Vorteile [die dein Umfeld NEIDISCH machen…]

ADHS Musik Konzentration – garantiert erfolgreich Lernen

ADHS vs. ADS: Das solltest du wissen (2020)


ADHS 20+


UH!Tube | Sarah Kuttner

ADHS & Gefühle-Emotionale Dysregulation, Überforderung, Selbstverachtung -Ein persönliches Beispiel

ADHS & Impulsivität – Die Crux mit der Impulskontrolle und der goldenen Mitte

Schmerzhafte Reaktionen auf ADHS – Erklärung, Entwaffnung und ein leidenschaftliches Plädoyer ❤️👊🏼🧠


Playlists


Englische Videos und Kanäle

Videos

How to Declutter for Someone Who Has ADHD


Kanäle
How to ADHD

Kanalvideo: How to ADHD

Kanal-Highlight: ADHD in Women

Kanal-Highlight: Do you have ADHD?






Eine unserer Bilder-Quellen

Hier stellen wir mal die Herkunft unserer schönen Illustrationen vor. Auf der Suche nach möglichst neutralen Figuren, die trotzdem ermöglichen, Aussagen und Emotionen sichtbar zu machen, bin ich auf den Account von Peggy_Marco bei Pixabay gestoßen. Und von dort kommen die kleinen „Freunde und Freundinnen“, die euch hier auf unserer Seite überall begegnen.

Hier ein paar schöne, lustige oder aussagekräftige Bespiele:

Also, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Personen hinter dem Account Peggy_Marco, ich finde eure Bilder ganz toll und freue mich, mit ihnen unseren Webauftritt freundlich und lustig gestalten zu können.

Michael von der ADS SHG Münster

Infos zu Pixabay

Auf Pixabay findet ihr zu nahezu jedem Thema die passenden freien Bilder in unterschiedlichen Größen, Formen und Auflösungen. Die Nutzungsbedingungen sind übersichtlich und verständlich, deshalb kann ich diese Seite empfehlen.

Hier die Nutzungsbedingungen einmal in Zusammenfassung und hier in ausführlicher Form.

Geschützt: AD(H)S-Quiz

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ADHS und die verkürzte Lebenserwartung: ein Thema, das es in sich hat!

Vorab: mit diesem Beitrag soll keine Angst geschürt werden. Es gibt Möglichkeiten, etwas gegen die verkürzte Lebenserwartung von ADHS ler:innen zu tun. Aber es ist wichtig zu wissen, dass AD(H)S eben mehr ist als „Faulheit, Charakterschwäche oder soziale Unfähigkeit“. Es ist eine unter Umständen lebensverkürzende Hirnstoffwechsel-Veränderung, für die wir uns weder schämen müssen, noch uns schuldig fühlen. Erst mal haben wir uns nicht ausgesucht, ADSler:innen zu sein, sondern wurden so geboren. Gerade wir, die wir uns immer wieder treffen, arbeiten an uns, an unserm Verhalten, an unseren Denk- und Verhaltensweisen, und das nicht immer nur, um es für uns leichter zu machen, sondern auch, um es anderen MIT UNS leichter zu machen.

Worüber wir hier reden: 11 bis 13 Jahre weniger Lebenszeit

Wusstest du, dass Menschen mit ADHS eine um 11 bis 13 Jahre verkürzte Lebenserwartung haben können? Ja, du hast richtig gelesen. Das bedeutet nicht nur ein paar Jahre weniger auf der Uhr, sondern ein ernstes Risiko, das mit der Diagnose einhergeht. Diese alarmierende Statistik stammt aus einer Studie des Forschers Russell Barkley aus dem Jahr 2018, die zeigte, dass ADHS nicht nur ein „Kindheitsproblem“ ist, sondern im Erwachsenenalter erhebliche Auswirkungen haben kann (Barkley, 2018).

Die Gründe

Aber keine Panik! Bevor jetzt gleich das Kopfkino startet: Die Gründe dafür sind in der Regel nicht direkt mit dem ADHS selbst verbunden, sondern eher mit den Herausforderungen, die Menschen mit ADHS im Alltag oft haben. Dazu gehören häufiger impulsives Verhalten, erhöhtes Risiko für Unfälle, Substanzmissbrauch, Rauchen, sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Barkley, 2018). Gerade die Schwierigkeiten im Bereich der Selbstregulation können hier die entscheidende Rolle spielen.

Ein weiteres Risiko sind ungesunde Lebensgewohnheiten: Menschen mit ADHS neigen oft dazu, weniger Sport zu treiben, sich ungesünder zu ernähren und weniger Schlaf zu bekommen. All das summiert sich über die Jahre hinweg und kann zu ernsteren Gesundheitsproblemen führen. Eine große dänische Studie (Dalsgaard et al., 2015) hat bestätigt, dass das Sterblichkeitsrisiko bei ADHS signifikant höher ist – und das betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene.

Wo Schatten ist, gibt es auch Licht

Aber jetzt mal die gute Nachricht: Es ist kein Schicksal, das in Stein gemeißelt ist! Mit der richtigen Unterstützung, Behandlung und einem gesunden Lebensstil kann man sehr viel für seine Gesundheit tun. ADHS mag zwar die Lebenserwartung statistisch beeinflussen, aber das bedeutet nicht, dass wir dem hilflos ausgeliefert sind. Eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit, das Entwickeln gesunder Routinen und der offene Umgang mit der Diagnose können einen riesigen Unterschied machen.

Packen wir’s an

Also, liebe ADHS-Community: Ja, es gibt Herausforderungen, aber mit dem richtigen Umgang müssen wir uns nicht von diesen Zahlen einschüchtern lassen. Packen wir’s an – wir haben schließlich noch einiges vor in diesem Leben!

Quellen:

ADS und ADHS: Was steckt dahinter?



ADHS und ADS sind neurologische Entwicklungsstörungen, die das Leben vieler Menschen beeinflussen – ob mit Hyperaktivität oder ohne. Betroffene zeigen Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und bei ADHS auch Hyperaktivität. Die Ursachen sind vielfältig, die Diagnose oft komplex, doch es gibt bewährte Therapieansätze. Mit der richtigen Unterstützung und einem Blick auf die oft unterschätzten Stärken kann ein erfülltes Leben gelingen.

Stichpunkte (Zusammenfassung):

  • Definition: ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die in zwei Varianten auftritt: mit Hyperaktivität (ADHS) und ohne (ADS).
  • Symptome von ADHS: Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität – der „Zappelphilipp“ unter den Störungen.
  • Symptome von ADS: Vor allem Unaufmerksamkeit und Vergesslichkeit, ohne die typische Hyperaktivität.
  • Erwachsene mit ADHS: Chaotischer Alltag, Probleme mit Organisation, häufige Gedankensprünge.
  • Ursachen: Genetik spielt eine Hauptrolle, aber auch Umweltfaktoren beeinflussen die Ausprägung.
  • Diagnose: Wird meist im Kindesalter gestellt, aber bei Erwachsenen ist sie oft schwieriger.
  • Therapieansätze: Medikamente, Verhaltenstherapie und Selbsthilfegruppen bieten Hilfestellung.
  • Stärken von ADHS/ADS: Kreativität, Energie, Hyperfokus – die positiven Seiten der Diagnose.
  • Stigmatisierung: Noch immer werden Betroffene oft missverstanden und als „faul“ abgestempelt.
  • Leben mit ADHS/ADS: Verständnis, Geduld und gute Struktur sind der Schlüssel zu einem erfüllten Alltag.
Details

1. Was ist ADHS überhaupt? ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich um eine neurologische Entwicklungsstörung, die schon im Kindesalter beginnt. Das Ganze ist aber nicht einfach nur „Zappeligkeit“ – es ist viel mehr als das. Neben der klassischen ADHS gibt es auch ADS (ohne Hyperaktivität). Während ADHS als „Zappelphilipp-Syndrom“ bekannt ist, ist ADS eher der „Hans-Guck-in-die-Luft“, der gerne mal in seinen Tagträumen versinkt.

2. Symptome bei ADHS – der Zappelphilipp in Aktion ADHS zeigt sich vor allem durch drei Hauptsymptome: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Man stellt sich jemanden vor, der von einem Gedanken zum nächsten springt, am liebsten gleichzeitig drei Dinge tun will und dabei noch ein Gespräch mit zwei Personen führt. Ja, chaotisch, aber in gewisser Weise auch bewundernswert! Impulsivität kann aber auch dazu führen, dass man schneller redet, als man denkt – was nicht immer gut ankommt.

3. ADS – der etwas stillere Bruder Bei ADS fehlt die Hyperaktivität. Hier sind es vor allem Unaufmerksamkeit, Vergesslichkeit und langsame Informationsverarbeitung, die dominieren. Diese Personen wirken oft verträumt und verplant, haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, und verlieren schnell den Faden. Sie sind keineswegs faul oder desinteressiert, sie sind einfach nur anders verdrahtet.

4. ADHS im Erwachsenenalter – kein Phänomen nur für Kinder Auch wenn man dachte, ADHS sei nur eine Kinderkrankheit, nein, es begleitet einen oft bis ins Erwachsenenalter. Hier zeigt sich ADHS dann in einem unorganisierten Alltag, Schwierigkeiten bei der Arbeit, chaotischen Beziehungen und ständigen Gedankensprüngen. Bei Erwachsenen wird die Diagnose allerdings oft übersehen, weil man ja „eigentlich alt genug ist, um sich zusammenzureißen“.

5. Die Ursachen – Warum gibt es ADHS überhaupt? ADHS ist eine Mischung aus Genetik und Umweltfaktoren. Es gibt keine einzelne Ursache, die man klar benennen kann, aber Studien zeigen, dass es in den Genen liegt. Auch Faktoren wie Stress während der Schwangerschaft oder ein niedriges Geburtsgewicht können eine Rolle spielen.

6. Wie wird ADHS diagnostiziert? Die Diagnose ist komplex und umfasst ausführliche Gespräche, Fragebögen und Beobachtungen. Bei Kindern fällt es oft eher auf, weil sie in der Schule nicht still sitzen können oder nicht zuhören. Bei Erwachsenen ist es schwieriger, da sie gelernt haben, die Symptome zu kompensieren oder zu verstecken.

7. Behandlungsmöglichkeiten – was hilft wirklich? Medikamente wie Methylphenidat (z.B. Ritalin) oder Amphetamine helfen vielen Betroffenen, sich zu fokussieren. Aber Medikamente sind nicht alles. Verhaltenstherapie, Coaching und Selbsthilfegruppen, in denen man sich austauschen kann, bieten eine wertvolle Unterstützung im Alltag.

8. Die positiven Seiten von ADHS/ADS – ja, die gibt es! Wer ADHS oder ADS hat, ist oft unglaublich kreativ, energiegeladen und kann sich in bestimmten Aufgaben regelrecht „verbeißen“ – der sogenannte Hyperfokus. Viele Menschen mit ADHS sind leidenschaftliche Denker und haben einen einzigartigen Blick auf die Welt. Das Problem ist nicht immer die Störung an sich, sondern dass sie in einer „normalen“ Welt oft nicht verstanden wird.

9. Vorurteile und Stigmatisierung – das unsichtbare Hindernis Trotz steigender Bekanntheit gibt es immer noch viele Vorurteile gegenüber ADHS und ADS. Die Betroffenen werden oft als „faul“, „unmotiviert“ oder „unfähig“ abgestempelt. Das schmerzt, denn niemand sucht sich diese Herausforderung aus. Verständnis und Empathie wären oft schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.

10. Leben mit ADHS/ADS – ein Balanceakt Wer ADHS oder ADS hat, braucht vor allem eines: Struktur. Ein gut organisierter Alltag, klare Abläufe und verständnisvolle Menschen um einen herum sind Gold wert. Wichtig ist, sich selbst kennenzulernen, die eigenen Stärken zu erkennen und diese zu nutzen. ADHS ist keine Krankheit, die man „heilen“ muss – es ist eine Art, die Welt auf eine andere, oft sehr spannende Weise zu erleben.